Wir bekommen Familienzuwachs
Ein zweiter hund zieht ein
Es war Liebe auf den ersten Blick! - Ja sowas gibt es wirklich. Schon bei meiner ersten Fahrt nach Ungarn, viel sie mir auf. Damals wusste ich, dass ein Zweithund nicht zur Debatte steht und trotzdem ging das Verlieben sehr schnell und damit gingen dann doch die Überlegungen los. Bei der Fahrt darauf, waren dann schon Hope und Dimi mit dabei. Wir wollten und mussten es wissen: gibt es für uns eine Zukunft zu Viert?! - Alle Zeichen standen auf "Ja" und es brach uns das Herz, Aqua zurück zu lassen. Im Juni 2025 waren dann auch alle organisatorischen Fragen geklärt und wir konnten endgültig eine Entscheidung für Aqua treffen. Im Oktober fuhren wir los um Aqua in ihr neues Zuhause zu holen...
Die Adoption in Ungarn
Die Adoption von Aqua – jetzt: Aquamarin, weil sie mit ihrem neuen Leben auch einen neuen Name bekommen hat, war das Schönste und Beste, was wir je getan haben. Das Gefühl dabei ist kaum in Worte zu fassen.
Vielleicht lag es daran, dass Dia und Mariann ihr schon erzählt hatten, dass wir sie adoptieren würden oder sie hatte bei anderen Hunden beobachtet, wie alles abläuft, jedenfalls war sie von unserer Ankunft an mit einer Selbstverständlichkeit bei uns, als hätte sie von Anfang an gewusst, dass sie dieses Mal mit uns mit darf.
Als wir am Dienstagnachmittag im Tierheim in Eger ankamen, sind wir zuerst mit ihr spazieren gegangen, haben sie geknuddelt und mit vielen Leckerlis verwöhnt. Mit Mariann haben wir anschließend alles Organisatorische besprochen und auch die Option geklärt, Aqua über Nacht mit in die Pension zu nehmen. Da sie sonst zwei Tage im Auto hätte verbringen müssen und der nächste Tag sehr sonnig werden sollte, entschieden wir uns schweren Herzens, sie für diese erste Nacht doch noch im Shelter zu lassen. Wir gingen danach noch mit vielen anderen Hunden spazieren und fielen am Abend müde und glücklich ins Bett.
Am zweiten Tag war Aqua unsere letzte Gassipartnerin. Während des Spaziergangs haben wir ihr Sicherheitsgeschirr mithilfe des Clickers aufgebaut (vermutlich wäre das bei ihr gar nicht nötig gewesen, so tiefenentspannt wie sie ist, aber man weiß es vorher nie mit Sicherheit und wir wollten künftiges Drama beim Anziehen vermeiden). Danach übten wir das Ein- und Aussteigen ins Auto. Rein ging sie problemlos, doch heraus wollte sie nicht mehr – sie war definitiv bereit für ihre Adoption! Anschließend wurde sie gründlich gebürstet (da kam eine Menge Fell herunter). Dann durfte sie mit uns kommen, um die Nacht in der Pension zu verbringen.
Die erste Autofahrt war für sie noch ungewohnt, aber für die erste Fahrt völlig in Ordnung. Sie war lediglich etwas unruhig und hat ab und zu gefiept. Wir fuhren kurz in die Stadt, um etwas zu essen zu holen. Weil wir sie nicht allein im Auto lassen wollten, nahmen wir sie mit. Sie hat das so entspannt und souverän gemacht und da die Stadt ohnehin leer war, blieben wir gleich dort zum Essen. Mit Aqua kein Problem.
In der Pension zeigte sie sich wie ein Vorzeigehund, als hätte sie immer schon zu uns gehört. Wir zeigten ihr noch die Dusche (ein Bad wäre eigentlich dringend nötig gewesen, aber so weit war sie noch nicht). Also gab es Abendessen, eine letzte Gassirunde und wir gingen schlafen, glücklich und mit dem Gefühl, dass unser gemeinsamer Weg begonnen hatte, völlig unaufgeregt, als wäre es nie anders gewesen. Auch die Nacht verlief ohne Vorkommnisse und nach dem Aufwachen signalisierte sie, dass sie raus musste. Also gingen wir direkt gegenüber in den kleinen Park – ein ganz gemütlicher Start in den Tag. Auch das Frühstück lief erstaunlich stressfrei ab. Wir konnten sie problemlos für kurze Zeit allein im Zimmer lassen. Sie hatte etwas zum Snacken bekommen und wir sahen immer wieder nach ihr, aber sie blieb völlig entspannt, fast so, als würde sie das alles schon ewig kennen.
Anschließend fuhren wir mit ihr zurück ins Tierheim. Auch dort blieb sie entspannt im Auto, die meiste Zeit schlief sie. Da es bewölkt war und keine Sonne aufs Auto schien, konnten wir sie mit offenen Fenster im Auto lassen. Zwischendurch holten wir sie zum Gassi gehen heraus. Ansonsten gingen wir dem normalen Tagesablauf nach: spazierten wir mit anderen Hunden, trainierten, Fotos und Videos erstellen.
Am Nachmittag fand dann die eigentliche Adoption mit Mariann statt. Dabei bekamen wir auch ihren EU-Heimtierausweis und mit ihm eine riesige Überraschung: Aquamarin ist nicht, wie angenommen, zwei bis vier Jahre jünger als Hope, sondern exakt gleich alt. Beide haben am selben Tag Geburtstag, am 01.09.2017. Das hatte bis dahin niemand gewusst. Erst der Tierarzt, der wohl noch Kontakt zum ehemaligen Besitzer hatte oder Unterlagen einsehen konnte, brachte das genaue Geburtsdatum ans Licht. Wir konnten das gar nicht glauben, das musste doch echt Schicksal sein! Aber damit kam auch die Erkenntnis: Aquamarin war schon sehr lange im Tierheim, denn sie wurde mit ca eineinhalb Jahren dort abgegeben.
Insgesamt haben wir ungefähr umgerechnet 450 - 470 Euro Schutzgebühr gezahlt, bar vor Ort – eine Überweisung wäre auch möglich gewesen, Kartenzahlung jedoch nicht.
Enthalten waren alle für Deutschland relevanten Impfungen, das Chippen, die Kastration und auf unseren besonderen Wunsch hin auch eine Zahnsanierung. Ihre Zähne waren bereits stark abgenutzt und nicht mehr im besten Zustand. Viel konnte man nicht mehr herstellen, aber alles, was möglich war, sollte gemacht werden. In Deutschland wären die Kosten dafür deutlich höher gewesen, zumal Aqua noch keine Krankenversicherung hat. So wurde alles direkt bei dem Tierarzt erledigt, dem das Tierheim vertraut.
Am Abend nahmen wir Aquamarin wieder mit in die Pension und knüpften dort an, wo wir am Vorabend mit dem Duschen aufgehört hatten. Dieses Mal klappte es tatsächlich, sie komplett abzuduschen und es war wirklich überfällig. Als sie nass wurde, war der Geruch kaum auszuhalten und aus ihrem dichten, fluffigen Fell kam ordentlich braune Matsche heraus, obwohl wir sie vorher noch ein zweites Mal gründlich gebürstet hatten. Mit Futter, Ruhe und Vertrauen ließ sie die Dusche erstaunlich gut über sich ergehen. Ich war mit in der Dusche, habe sie shampooniert und abgespült und obwohl sie so viel Fell hat, war sie überraschend schnell wieder trocken. Die Nacht verlief erneut völlig ruhig.
Auch der nächste Morgen mit Frühstück war entspannt und nach der Gassi-Runde fuhren wir noch einmal ins Tierheim, um uns von Dia, Mariann, den Mitarbeiterinnen und einigen Hunden zu verabschieden. Umgekehrt konnten sich auch Aqua von allem verabschieden. Nach all den Jahren war sie ein fester Teil des Alltags gewesen und den Menschen dort sehr ans Herz gewachsen. Es wurde viel geweint: viel Freude, Erleichterung und Abschiedsschmerz zugleich. Eine Mitarbeiterin erzählte uns sogar, dass sie automatisch vier Näpfe vorbereitet hatte, bis ihr plötzlich auffiel, dass im Kennel nun nur noch drei Hunde sind. Solche kleinen Routinen zeigen, wie sehr Aqua dazugehört hatte, fast sieben Jahre lang...
Schließlich fuhren wir los Richtung Zuhause. Die Rückfahrt verlief auch absolut problemlos. Es gab keine Staus, obwohl wegen Baustellen alles etwas langsamer voranging. Mit Pausen kamen wir gegen halb elf abends an. Auch die erste Nacht daheim war entspannt. Aquamarin nahm ihr Körbchen sofort an und schlief dort tief und ruhig.
Am Samstagvormittag holten wir Hope bei Dimis Eltern ab und machten den ersten gemeinsamen Spaziergang. Anfangs hielten wir Abstand an der Leine, damit beide in Ruhe ankommen konnten. Auf einer großen Wiese durfte Hope dann frei laufen und selbst entscheiden, ob sie sich nähern möchte und es funktionierte wieder großartig. Draußen waren beide noch entspannter als im Haus, aber auch drinnen wurde es von Stunde zu Stunde harmonischer und ruhiger. Man merkt einfach, dass sie miteinander können, das hatte sich bereits Ostern gezeigt und nun ist Aquamarin in ihrem neuen Leben angekommen.
Willkommen: Aqua!
Wir haben uns dazu entschieden, dass Aqua offiziell einen neuen Namen bekommt - als Zeichen für ihr neues Leben. Da wir jedoch den Namen Aqua sehr schön finden und sie auch gut auf ihn hört, wird das ihr Rufname bleiben. Daher haben wir uns für den Namen: Aquamarin entschieden.
Wer sich an die ursprünglichen Namen unserer Welpen erinnert, weis noch, dass auch sie alle nach Edelsteinen benannt wurden. Sie gehört einfach nun offiziell in unsere Familie und das symbolisiert der neue Name einfach perfekt.
Warum ein Secondhand-Hund?
Schon immer war es mein Traum, mit zwei Hunden zu leben.
Da wir keine eigenen Kinder möchten, sind unsere Hunde unsere Babys. Mit Aquamarin ist unsere kleine Familie nun endlich komplett und wir könnten glücklicher nicht sein.
Meine Geschichte mit Hunden war jedoch nicht immer traumhaft. Nachdem meine erste Hündin Mila verunfallte, brach für mich eine Welt zusammen. Aus purer Angst vor diesem Schmerz entschied ich mich damals, Hope von Züchtern zu holen. Es war mein Versuch nach vermeintlicher Sicherheit: ein Hund ohne Jagdtrieb, planbar, kontrollierbar. Auch die Entscheidung: Hope soll Welpen bekommen, war letztlich von Egoismus und Trauma geprägt – der Gedanke, dass eines Tages nichts von ihr bleibt, war für mich unerträglich und mit den Welpen würde ja ein Teil von Hope weiterleben... Ich stehe zu meinen Entscheidungen, sie gehören zu meinem Weg. Aber ich weiß und kommuniziere ganz offen und ehrlich: Die getroffenen Entscheidungen waren nicht aus Tierliebe, sondern für mich selbst.
Vielleicht war es Schicksal, vielleicht pures Glück – Hope kam in mein Leben und sie war und ist die weltbeste Hundemama, auch wenn ihre Welpen heute schon fünf Jahre alt sind. Mit ihr habe ich gelernt, dass nicht alles planbar ist, dass echter Halt und Liebe nicht durch Kontrolle entstehen, sondern durch Vertrauen, Bindung, Erziehung, viel Training und noch mehr Liebe.
Und genau deshalb war für mich von Anfang an klar: Nach Hope wird es keinen Hund aus einer Zucht mehr geben! Ein Secondhand-Hund ist kein Hund zweiter Klasse. Ganz im Gegenteil: Er bringt eine Geschichte mit, ein Herz voller Sehnsucht nach Geborgenheit und eine unermessliche Dankbarkeit. Mit Aquamarin haben wir genau das gefunden.
-
Wir schenken einem Hund ein Zuhause, der sonst vielleicht keines gefunden hätte. (Aqua war stadtbekannt, weil sie oft aus dem Garten ausgebüxt ist - für ungarische Verhältnisse ein absolutes No-Go, sie hätte kaum eine Vermittlungschance in der Region gehabt)
-
Wir kämpfen aktiv gegen Überzucht, Qualzucht und das Leid in Massenzuchten.
-
Wir unterstützen Tierschutzorganisationen, die jeden Tag ihr Bestes geben.
-
Wir erleben, dass gerade Secondhand-Hunde so viel Liebe zurück schenken. Aquamarin ist so voller Freude und Lebenslust, dass man in ihrer Nähe kaum schlechte Laune haben kann.
- Secondhand-Hunde sind keine Hunde mit Makeln – sie sind Hunde mit Geschichten. Und genau das macht sie so wertvoll.
- Für jeden Menschen gibt es den perfekten Hund (ja auch Welpen) im Tierschutz.
Aquamarin hat unser Leben bereichert und uns gezeigt, dass Familie überall auf der Welt zu finden ist. Ich glaube, sie sollte genau hierher, zu uns. Und wenn ich sie heute anschaue, weiß ich: Es war absolut unser Schicksal. Sie passt so perfekt zu uns und es fühlt sich an, als wäre sie schon immer Teil dieser Familie gewesen.
Die ersten Tage zu Viert
Aquamarins erste Woche in Deutschland war voller neuer Eindrücke, kleiner Abenteuer und rührender Momente. Am nächsten Tag nach der Ankunft machten wir mit unseren Mädels, den ersten Spaziergang als richtige „Schwestern“ – Aqua und Hope Seite an Seite, als hätten sie nie etwas anderes getan. Am Anfang noch mit deutlichen Abstand an der Leine und langsam näher und näher. Sie kannten sich noch und es lief schnell viel besser, als gedacht. Zuhause fand Aqua schnell Gefallen an ihrem allerersten eigenen Körbchen … und an Hopes gleich mit.
Was sind eure Erfahrungen mit Tierschutzhunden? Erzählt gern eure persönlichen, emotionalen oder lustigen Geschichte in den Kommentaren. Wir freuen uns sie zu lesen!
Kommentar schreiben